Was passiert, wenn ich mit einem E-Scooter ohne Versicherung erwischt werde?

Du fährst täglich mit dem E‑Scooter zur Arbeit. Oder du leihst in der Stadt einen Roller für den schnellen Weg zum Café. Vielleicht hast du dir einen gebrauchten E‑Scooter gekauft und dabei das kleine Versicherungs‑Kennzeichen übersehen. Solche Situationen kommen oft vor. Meist merkt man erst bei einer Kontrolle oder nach einem Unfall, dass etwas nicht stimmt. Dann steht die Frage im Raum: Was passiert jetzt konkret?

Dieser Ratgeber erklärt dir, welche rechtlichen Folgen möglich sind. Du erfährst, welche Kosten auf dich zukommen können und wie sich zivile Schadenersatzansprüche auswirken. Außerdem zeige ich dir, was bei einer Polizeikontrolle zu erwarten ist und wie du dich unmittelbar verhalten solltest. Ein wichtiger Punkt ist auch, welche Rolle deine private Haftpflichtversicherung oder eine gesonderte E‑Scooter‑Versicherung spielt.

Am Ende weißt du, wie du das Risiko, ohne Versicherung erwischt zu werden, minimierst. Du bekommst praktische Schritte für den akuten Fall. Und du erfährst, welche Unterlagen und Nachweise wichtig sind. So kannst du schnell einschätzen, welche Konsequenzen wirklich drohen und welche Maßnahmen sinnvoll sind, um zusätzliche Kosten und rechtliche Probleme zu vermeiden.

Rechtliche Grundlagen und Pflichten

Welche Regeln gelten für E‑Scooter?

Für E‑Scooter in Deutschland gelten spezielle Vorgaben, die seit der Zulassung 2019 verbindlich sind. Entscheidend sind die Elektrokleinstfahrzeuge‑Verordnung (eKFV), die Straßenverkehrs‑Ordnung (StVO) und das Pflichtversicherungsgesetz (PflVG). Die eKFV legt technische Anforderungen und die Verkehrsregeln fest. Die StVO regelt unter anderem, wo du fahren darfst. Das PflVG schreibt eine Haftpflichtversicherung für E‑Scooter vor. Ohne diese Versicherung darfst du den Roller nicht im öffentlichen Verkehr benutzen.

Wer haftet bei Verstößen oder Unfällen?

Bei einem Unfall sind in erster Linie Schadenersatzansprüche zu prüfen. Gibt es eine gültige Haftpflichtversicherung, übernimmt diese in der Regel die Forderungen Dritter. Fehlt eine Versicherung, fallen die Ansprüche direkt auf dich oder den Eigentümer zurück. In solchen Fällen musst du für Personenschäden und Sachschäden selbst aufkommen. Außerdem drohen verwaltungsrechtliche Folgen. Die Polizei kann bei Kontrollen Verstöße feststellen. Es kann zu Bußgeldern kommen. In besonders schweren Fällen ist auch die Beschlagnahme des Fahrzeugs möglich.

Welche Pflichten hast du als Fahrende oder Eigentümer?

Als Nutzer musst du sicherstellen, dass das Fahrzeug versichert ist und das vorgeschriebene Versicherungskennzeichen angebracht ist. Als Eigentümer bist du verantwortlich, eine gültige Haftpflicht abzuschließen. Wenn du einen Roller verleihst, bleibt die Pflichtversicherung Sache des Eigentümers. Außerdem musst du die technischen Vorgaben einhalten. Dazu gehören eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h, eine erforderliche Beleuchtung und bestimmte bauartliche Merkmale. Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein. Ein Helm ist empfehlenswert, aber in der Regel nicht vorgeschrieben.

Wie greifen die Regeln im Alltag?

Beim täglichen Pendeln gilt: Wenn du ohne Kennzeichen oder ohne Versicherung kontrolliert wirst, bist du sofort in der Pflicht. Das kann beim Halt an einer Verkehrskontrolle passieren. In Sharing‑Situationen übernimmt der Anbieter meist die Versicherung. Kaufst du gebraucht, solltest du auf das Kennzeichen achten. Nach einem Unfall ohne Versicherung können neben den Schadensersatzforderungen auch Sachverständigen‑ und Gutachterkosten auf dich zukommen. Deine private Haftpflichtversicherung deckt solche Fälle oft nicht ab. Prüfe deshalb deine Police. Wenn du unsicher bist, frage bei der Polizei oder deiner Versicherung nach, bevor du den Roller wieder in Betrieb nimmst.

Häufige Fragen

Was droht mir, wenn ich ohne Versicherung erwischt werde?

Du musst in der Regel mit einem Bußgeld rechnen. Zusätzlich kann die Polizei das Fahrzeug vorübergehend sicherstellen. Bei Unfällen trägst du die Folgen zivilrechtlich selbst. In Einzelfällen können weitere rechtliche Konsequenzen folgen.

Bekommt man dafür Punkte in Flensburg?

Allein das Fehlen der Versicherung führt meist nicht automatisch zu Punkten. Bei ergänzenden Verstößen, zum Beispiel Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Gefährdung, können Punkte hinzukommen. Das hängt vom genauen Sachverhalt ab. Fragen klärt die Bußgeldstelle oder ein Anwalt.

Kann mein E‑Scooter abgeschleppt oder sichergestellt werden?

Ja. Fehlt das vorgeschriebene Versicherungskennzeichen oder besteht kein Versicherungsschutz, kann die Polizei das Fahrzeug sicherstellen. Das Abschleppen kann zusätzliche Kosten verursachen. Du musst das Fahrzeug dann oft gegen Nachweis der Versicherung abholen.

Was passiert bei einem Unfall ohne Versicherung?

Du bist gegenüber Geschädigten direkt schadenersatzpflichtig. Das betrifft Personenschäden, Sachschäden und mögliche Folgekosten. Deine private Kaskoversicherung deckt selten E‑Scooter. Ohne Versicherung können schnelle und hohe Forderungen auf dich zukommen.

Deckt meine private Haftpflicht solche Fälle?

Viele private Haftpflichtversicherungen schließen motorisierte Fahrzeuge aus. Manche Policen schließen Elektrokleinstfahrzeuge ausdrücklich ein. Schau in deine Vertragsbedingungen oder ruf bei der Versicherung an. Sonst ist eine spezielle E‑Scooter‑Haftpflicht nötig.

Typische Alltagsszenarien

Polizeikontrolle im Straßenverkehr

Du fährst auf dem Radweg und ein Streifenwagen hält dich an. Die Polizisten verlangen Personalien und die Dokumente zum Fahrzeug. Wenn das Versicherungskennzeichen fehlt, wird das protokolliert. Es droht ein Bußgeld. In vielen Fällen wird das Fahrzeug sichergestellt. Du musst dann nachweisen, dass eine Haftpflicht besteht, bevor du den Roller zurückbekommst.

Unfall mit Personenschaden

Bei einem Unfall mit Verletzten ist die Lage ernster. Rettungsdienst und Polizei sind oft vor Ort. Geschädigte können sofortige Schadensersatzansprüche geltend machen. Fehlt deine Haftpflichtversicherung, wenden sich die Forderungen direkt an dich. Das kann zu hohen Kosten für Behandlung, Verdienstausfall und Schmerzensgeld führen. In schweren Fällen prüft die Staatsanwaltschaft, ob eine strafrechtliche Tat vorliegt.

Unfall mit reinem Sachschaden

Stößt du mit einem parkenden Auto zusammen, ist das häufiger. Der Halter meldet den Schaden der eigenen Versicherung. Fehlt dein Versicherungsschutz, muss der Geschädigte seine Kosten direkt bei dir einfordern. Das umfasst Reparaturkosten und mögliche Nutzungsausfälle. Ohne Versicherer sitzt du am längeren Hebel, wenn du die Forderungen nicht begleichen kannst.

Verleih und Sharing-Situationen

Bei Leihscootern kümmert sich der Anbieter meist um die Haftpflicht. Trotzdem können Probleme auftreten. Du musst die Nutzungsbedingungen einhalten. Kommt es zu einem Unfall durch unsachgemäße Nutzung, prüft der Anbieter Haftungsfragen. In einigen Fällen fordert der Betreiber Kosten von dir zurück, zum Beispiel bei grober Fahrlässigkeit.

Gebrauchtkauf ohne Kennzeichen

Du kaufst einen gebrauchten Roller von privat. Das Kennzeichen ist nicht mehr dran oder ungültig. Beim nächsten Einsatz riskierst du eine Kontrolle. Als neuer Eigentümer bist du verantwortlich für die Anmeldung und Versicherung. Bis das Kennzeichen angebracht ist, solltest du das Fahrzeug nicht im öffentlichen Raum nutzen.

Unfälle auf Privatgrundstücken

Auf Privatgelände greifen oft andere Regeln. Die Polizei kommt seltener. Trotzdem können Ansprüche aus deliktischer Haftung entstehen. Wenn ein Dritter verletzt wird, muss er Ersatz verlangen. Deine private Haftpflicht deckt solche Fälle meist nicht. Prüfe die Deckung vor Gebrauch auf privatem Grund.

Schadenregulierung und Rückgriff

Wenn du ohne Versicherung einen Schaden verursachst, zahlt niemand automatisch. Geschädigte reichen Forderungen ein. Du musst Belege sammeln und deine Situation erklären. Gibt es später Nachweise, dass du fahrlässig gehandelt hast, können zusätzliche Kosten entstehen. Das kann auch Bußgelder und Verwaltungsgebühren umfassen. Bewahre Unfallfotos, Zeugenkontakte und Belege auf. Diese Unterlagen helfen bei späteren Auseinandersetzungen.

Solltest du eine Versicherung abschließen?

Leitfragen zur Entscheidung

Überlege kurz, wo und wie oft du fährst. Fährst du regelmäßig im öffentlichen Straßenverkehr oder nur auf privatem Gelände? Nutzt du den Roller für den Weg zur Arbeit oder gelegentlich für kurze Strecken in der Stadt? Könntest du einen Unfall mit Personenschaden oder hohen Sachschäden verursachen? Diese Fragen helfen dir, das Risiko einzuschätzen.

Abwägung von Kosten und Risiko

Eine E‑Scooter Haftpflicht ist meist preiswert. Die jährlichen Beiträge sind gering im Vergleich zu möglichen Schadenersatzforderungen. Ohne Versicherung kannst du bei Personenschaden oder teuren Reparaturen persönlich haftbar gemacht werden. Das kann schnell deutlich teurer werden als die Versicherungsprämie.

Praktische Empfehlung

Wenn du den Roller im öffentlichen Verkehr nutzt, ist eine Versicherung notwendig und rechtlich vorgeschrieben. Prüfe zunächst deine private Haftpflichtversicherung. Manche Policen schließen Elektrokleinstfahrzeuge ein. Fehlt der Schutz, schließe eine spezielle E‑Scooter Haftpflicht ab. Bringe das Versicherungskennzeichen an und hebe den Versicherungsnachweis auf. So vermeidest du Bußgelder und finanzielle Risiken. Kurz gesagt: Bei öffentlichen Fahrten ist Versicherung abschließen die sinnvolle und sichere Wahl.

Zeit- und Kostenaufwand bei Kontrolle oder Unfall

Aufwand

Bei einer Polizeikontrolle kannst du mit unmittelbarem Zeitaufwand von 30 Minuten bis zu einigen Stunden rechnen. Wird das Fahrzeug sichergestellt, dauert die Rückgabe oft Tage bis Wochen, bis du den Versicherungsschutz nachweisen kannst. Bei einem Unfall mit Schadenfall beginnt ein längerer Prozess. Schriftverkehr mit Geschädigten und Versicherern erstreckt sich häufig über Wochen. Bei strittigen Forderungen oder juristischen Schritten können sich Verfahren über Monate bis Jahre hinziehen.

Kosten

Bußgelder sind abhängig vom Einzelfall. Typische Beträge liegen in vielen Fällen zwischen etwa 40 und 150 Euro. Bei erschwerenden Umständen können höhere Sanktionen oder zusätzliche Gebühren anfallen. Abschleppkosten belaufen sich meist auf 50 bis 200 Euro. Verwahrgebühren für die Lagerung können pro Tag zusätzlich 10 bis 30 Euro kosten. Prozess- und Anwaltskosten variieren stark. Kleinere außergerichtliche Klärungen kosten oft wenige hundert Euro. Gerichtliche Auseinandersetzungen bringen schnell mehrere hundert bis mehrere tausend Euro mit sich.

Wird bei einem Unfall ein Dritter verletzt, können Leistungskosten deutlich höher ausfallen. Sachschäden an Autos liegen oft im Bereich von einigen hundert bis mehreren tausend Euro. Personenschäden führen zu Behandlungskosten, Verdienstausfällen und gegebenenfalls Schmerzensgeld. Solche Forderungen können insgesamt zehntausende Euro oder mehr erreichen, je nach Schwere der Verletzungen.

Jährliche Versicherungsprämien für E‑Scooter sind in der Regel niedrig. Du findest Angebote ab etwa 20 bis 70 Euro pro Jahr. Der einmalige Abschluss ist in der Regel in kurzer Zeit online möglich.

Praktische Einschätzung

In Relation sind die Kosten für eine Haftpflichtversicherung gering. Der mögliche finanzielle Schaden bei einem Unfall ist deutlich höher. Wenn du im öffentlichen Raum fährst, lohnt sich der sofortige Abschluss einer Police. So vermeidest du Bußgelder, Abschleppkosten und die Gefahr erheblicher Schadenersatzforderungen.

Do’s & Don’ts bei Kontrolle ohne Versicherung

Wenn du ohne Versicherungsnachweis angehalten wirst, verhalte dich ruhig und kooperativ. Die richtige Reaktion kann Folgekosten und Ärger deutlich reduzieren.

Do’s Don’ts
Zeige Personalien und Dokumente. Gib höflich Ausweis und Fahrzeugsdaten heraus.
Keine Ausreden oder Schuldgeständnisse. Vermeide Aussagen wie „Das war meine Schuld“.
Kooperiere. Folge den Anweisungen der Polizei und beantworte Fragen sachlich.
Nicht wegfahren. Entferne dich nicht vom Ort, auch wenn du in Eile bist.
Dokumentiere die Situation. Mache Fotos vom Roller und der Umgebung. Notiere Zeugen.
Keine Beweise löschen. Entferne keine Fotos, Nachrichten oder andere Hinweise.
Sorge für Nachweise. Zeige einen bestehenden Versicherungsvertrag, wenn vorhanden. Kläre schriftlich, wie du weiter vorgehst.
Nicht bar bezahlen oder Entschädigungen anbieten. Vermeide informelle Zahlungen am Unfallort.
Kontaktiere deine Versicherung oder einen Anwalt, wenn es zu Schäden kommt. Hole rechtliche Hilfe bei Unklarheiten.
Keine voreiligen Unterschriften. Unterzeichne keine Erklärungen, die du nicht verstehst.

Wichtige Warnhinweise und Sicherheitshinweise

Warnhinweise

Achtung: Fahren ohne gültige Haftpflichtversicherung ist in Deutschland verboten. Bei Kontrollen drohen Bußgelder und die Sicherstellung des Fahrzeugs. Bei Unfällen können hohe Schadenersatzforderungen auf dich zukommen. Besonders bei Personenschäden können Forderungen schnell sehr hoch werden. Das kann deine finanzielle Existenz gefährden. Bewahre keine falschen Hoffnungen, dass private Versicherungen solche Fälle automatisch decken.

Risiken

Rechtlich riskierst du Verwarnungen, Bußgelder und mögliche strafrechtliche Folgen bei grober Fahrlässigkeit. Finanziell können Reparaturen, Behandlungskosten und Schmerzensgeld anfallen. Gesundheitlich besteht das Risiko schwerer Verletzungen. Ohne Versicherung musst du alle Folgen selbst tragen. Auch die psychische Belastung nach einem schweren Unfall ist nicht zu unterschätzen.

Präventive Maßnahmen

Prüfe vor jeder Fahrt, ob das Versicherungskennzeichen angebracht ist. Halte den Versicherungsnachweis bereit. Trage einen Helm und passende Schutzkleidung. Nutze Sharing‑Angebote nur, wenn der Anbieter Versicherungsschutz bestätigt. Fahre defensiv und passe die Geschwindigkeit der Situation an. Wenn du in einen Unfall verwickelt wirst, dokumentiere Fotos, hole Zeugen und kontaktiere sofort die Polizei. Melde den Schadensfall umgehend deiner Versicherung, falls vorhanden. Im Zweifel fahre nicht. Eine gültige Haftpflichtversicherung ist die effektivste Vorsorge.